September 2006:
Zum Zuschauen und Mitmachen!
Vom 15. - 17.September präsentierten sich ganztätig theaterschaffende Gruppen mit Aufführungen, die alle Spielarten der Theaterarbeit umfassen, umrahmt von einem bunten Reigen aus Kleinkunst, Kabarett, Musikanten usw.
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Freitag, 15. September 2006 |
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15.30 Uhr Theatersaal |
Eröffnung der Theatertage durch Bürgermeisterin Sonja Leidemann und Matthias Kleinschmidt, Kulturdezernent. Anschließend: Theater Blitzlicht Sozialwerk St. Georg e.V. Gelsenkirchen: |
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17.00 Uhr Café |
Märchenforum Witten: "Märchen für Kinder" Gudrun Bratfisch erzählt bezaubernde Märchen. |
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18.00 Uhr Theatersaal |
Magic-Academy: "Kleine Zauber-Gala" Die Zauber-AG der Rudolf-Steiner-Schule Witten entführt in das Reich der Magie und Illusionen. und nach der Zaubershow: "Tischzaubereien" mit dem talentierten Jung-Zauberer Julian Frerich |
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20.30 Uhr Theatersaal |
Die Karawane: "von Mund zu Ohr" (eine Umjandlung) Das Ensemble aus Düsseldorf spielt 36 kurze Szenen nach Texten des österreichischen Lyrikers und Sprachakrobaten Ernst Jandl. Mit Saxophon und anschließender Möglichkeit zur Diskussion mit den Schauspielern. |
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SAMSTAG, 16.September 2006 |
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15.00 Uhr Theatersaal |
Studio- Bühne Essen: Die Reise nach Brasilien Ein poetisch-komischer Ausflug in die Welt der Phantasie von Daniil Charms |
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17.30 Uhr Theatersaal |
C.A.S.T.I.N.G., Chamäleon Theater e.V., Kaarst Wer möchte nicht gerne Superstar werden? In dem selbst geschriebenen Stück zeigen die zumeist jugendlichen SchauspielerInnen, was sie so beim Casting erleben. |
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19.00 Uhr Café |
Patricia Gonzáles (Gesang) und Linus Friedmann (Gitarre) |
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20.00 Uhr Theatersaal |
Theater Mobile: "Die besten Tage meines Lebens" Das Hagener Ensemble spielt eine romantische Komödie von Frank Pinkus mit zahlreichen komischen Szenen, aber auch mit gefühlvollen Momenten. |
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23.00 Uhr Café |
Nachtlesung: Schaurig-schöne Geschichten und Gesang, vorgetragen von Cornelia Brommer und Ulrich Pätzold-Jäger. |
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SONNTAG, 17. September 2006 |
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11.00 Uhr Theatersaal |
Theaterspiel: "Sturmfrei" Ein Schauspiel zwischen Naturgewalten und Konsumgelüsten von Beate Albrecht & Janina Sasse. |
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13.30 Uhr Café |
Lesung: Der Wittener Wolfgang Busch, Moderator der VHS Lese-Ecke liest lyrische Werke. |
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14.30 Uhr Theatersaal |
Volksbühne Bochum e.V.: "Theater, Theater!" Die Bühne zeigt in dem selbst verfassten Einakter, wie es bei einer Theaterprobe der Jugendgruppe zugehen kann. |
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16.00 Uhr Theatersaal |
Fünf schwarze Elemente: "Schwarzlichttheater" Das Ensemble aus dem Hause Carpe Diem des Sozialwerks St. Georg Gelsenkirchen erzielt mit der besonderen Technik des Schwarzlichts faszinierende Effekte. |
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17.00 Uhr Café |
Die Musical-Dreams: Viola Meybauer (Gesang) und Frank Meybauer (Moderation) entführen in die Welt der modernen Musicals. |
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17.45 Uhr Theatersaal |
Märchenforum Witten: "Märchen für Erwachsene" Gudrun Bratfisch und Anke Brauckmann erzählen heitere und besinnliche Märchen aus aller Welt. |
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19.00 Uhr Theatersaal |
Theater Toll-Wut e.V. Velbert gegen DelikatESSEN: "Improvisationsmatch" Die beiden Teams liefern sich ein amüsantes Improvisations-Duell. |
Witten, 15-17.09.2006
Pressekritik
1. Ruhrbühnen -Theatertage
80 Jahr Ruhrbühne! Grund genug für die Vorsitzenden Hans Weiß und Martina Ende-Bollin, die Gäste zu den erstmals ausgerichteten Theatertagen im Saal an der Bochumer Straße lOa willkommen zu heißen. Bürgermeisterin und Kulturdezernent, sie bilden nach eigenem Bekunden "manchmal ein Team in der Stadtverwaltung", übermittelten nicht nur Glückwünsche. Als Experiment für die Planungen zur "Kulturhauptstadt Europas 2010" mit dem Besuch vieler Ensembles aus Wittens Partnerstädten bezeichnete Sonja Leidemann diese Theatertage. Matthias Kleinschmidt konnte dem Verein für die nächste Zeit die Sorge um den Standort nehmen, und einen Scheck aus dem Bürgermeisteramt gab es in Anbetracht des hohen Alters der Jubilarin auch noch.
Theater schon für die kleinsten versprach die Studio-Bühne aus Essen, eine Junge Truppe unter der Regie von Dieter Bolte. "Die Reise nach Brasilien" des Russen Daniil Charms hatten sie mit Slapstick und Pantomime sowie einfachen, aber trickreichen Mitteln und viel russischer Musik inszeniert. Den wenigen Kindern im Saal gefiel es, aber auch die erwachsenen Zuschauer waren begeistert.
"Superstark" hatten die Menschen mit geistiger Behinderung vom Theater Blitzlicht des Sozialwerks St. Georg Gelsenkirchen aus der alltäglichen Situation eines unschlüssig-opponierenden Teenagers mithilfe eines Zauberers den Weg zur Zufriedenheit entwickelt. Nicht die glamouröse Karriere sondern Besinnung und Training führen zu Meisterschaft und Anerkennung.
Mit "Theaterspiel" waren auch Profis aus Witten beteiligt. Beate Albrecht und Janina Sasse haben ihr Werk "Sturmfrei" für die leider ferngebliebene Jugend ab 16 geschrieben. Endzeitstimmung zeigten sie als werbegläubigen Konsumentin (Sasse) und sensationslüsterne Fernsehtechnikerin (Albrecht). Wirbelstürme verwüsten Deutschland, und eine von ihnen findet ihr Ende mit der Schlussmusik "Blowin in the wind". Sehr glaubwürdig und psychisch einfühlsam haben beide ihre Fiktion der Klimakatastrophe vor dem Hintergrund unserer Medien- und Konsumgesellschaft zur Bühnenreife geführt.
Anna und Klaus erreichen "Die besten Tage meines Lebens", nachdem sie ihren jeweiligen Lebenspartnern die Details einer ihren Lebensweg begleitenden Hassliebe beichten. Das Theater Mobile aus Hagen hatte in Team-Regie die Dichte der Zwei-Personen-Komödie von Frank Pinkus aufgelöst, ließ in einer Reihe von Rückblenden weitere Darsteller in die beiden Rollen schlüpfen. Bei aller Groteske und peinlichen Missgeschicken ist das Stück doch ein nicht unrealistischer Spiegel der Gesellschaft.
Die Karawane aus Düsseldorf setzte die Sprachakrobatik Ernst Jandls mal sinnverdrehend, mal ohne Vokale, dann gar als bloßes Lippengedicht, unter der Regie Rudi Röllekes gekonnt in Szene. Frank Michaelis röchelte, grunzte ins Saxophon, schimpfte übers Instrument: "Das klingt aber heute scheiße hier, ist ja total verbeult!" Mit Klezmer, Jazz und Beat-lmprovisation umspielte er "Eulen", "Ottos Mops" und andere Viechereien ebenso wie Menschelndes.
Im Cafe, denn auch ums leibliche Wohl der Gäste sorgt sich die Ruhrbühne, unterhielten Patricia Gonzales und Linus Friedmann aus Gelsenkirchen an der Gitarre mit Klassikern wie "Besame mucho" oder dem auf die Sängerin ungetexteten "The >boy< from lpanema".
Obskures Amüsement boten Cornelia Brommer und Ulrich Pätzold-Jäger zu vorgerückter Stunde. Psychoanalyse und medizinische Phänomene wie "Die Wanderniere" gehörten ebenso zum Programm wie das unfreiwillige Ableben eines Ladendiebes: "Wer nach fremdem Geld getrachtet und sein Mädchen schwarz geschlachtet, kann kein guter Mensch nicht sein!" Unsittlich-kriminelle Vorbilder wie das von Brommer mit Samtstimme geehrte "Mütterlein" oder ein von Patzold-Jagers deklamierter "Damenschneider", der seinen Beruf zu wörtlich nahm, trugen zum schauerlicher Absacker bei. Diese Premiere des Zusammenspiels der beiden Wittener Künstler soll, so wurde verkündet, nicht folgenlos bleiben.
Noch Vieles mehr wurde geboten, ein Füllhorn im Zeichen der Masken ausgeschüttet. Zu dumm für jene, die es diesmal verpasst haben. Aber die Theatertage der Ruhrbühne sollen in Witten nicht einmalig bleiben.
Martin Schreckenschläger